Geschichte seit 1879

Nach einem Großbrand am 7.7.1877, dem in der Schulstraße 20 Häuser zum Opfer fielen, veranlaßte der damalige Bürgermeister Schomberg die Gründung eines Freiwilligen Feuerwehr. Bei der Gründungsversammlung am 6. Juli 1879 meldeten sich zahlreiche Bürger aller Bevölkerungskreise als freiwillige Mitglieder.
6. Juli 1879, die Feuerwehr Brilon wurde gegründet.
In der Gründungsversammlung, zu welcher die interessierte Bürgerschaft geladen war, wurden zu Kommandeuren gewählt die Herren Kaufmann Alex Schlüter und der Gastwirt Richard Lohmann. Weiter wurde eine Kommission gewählt, bestehend aus den Herren Maurermeister Georg Göckeler, Zimmermeister Kraft und Buchbindermeister Johannes Meyer, die den Auftrag hatte, die Satzungen zu entwerfen und in der nächsten Versammlung vorzulegen.
Daß zu dieser Zeit schon ein größeres Interesse für die Feuerwehrsache vorhanden war, beweist die Tatsache, daß sich aus allen Kreisen der Bevölkerung Leute eingefunden hatten, die der neu gegründeten freiwilligen Feuerwehr sofort als aktive Mitglieder beitraten. Unter anderem waren dies: Stadtsekretär a.D. Fritz Hüser, Maurermeister Heinrich Weber und Maurer Johann Siebertz.

Am 10. August 1879 fand die erste Versammlung statt. In dieser Versammlung wurden die neu bearbeiteten resp. neu entworfenen Satzungen vorgelegt und genehmigt. Darauf wurde der definitive Vorstand gewählt. Derselbe bestand aus folgenden Herren:
Gastwirt Richard Lohmann = 1.Hauptmann und Chef der freiwilligen Feuerwehr
Brilon, Buchbindermeister Johannes Meyer = Stellvertreter, Kaufmann A. Hogrebe =
Schriftführer, Ackerwirt Franz Lingenhoff = Rendant, Schlossermeister Franz Kaiser =
Gerätewart.
Die Führer der einzelnen Abteilungen wurden in einer späteren Versammlung gewählt, da zunächst eine Einteilung der einzelnen Mannschaften vorgenommen werden mußte. Sämtliche Mitglieder verpflichteten sich zur strengsten Erfüllung ihrer Pflichten und zur Ausübung aller vom Vorstand vorgeschriebenen Anordnung, soweit solche das Feuerlöschwesen betrafen.
Am 2. Januar 1880 wurde beschlossen, um alle an eine moderne Feuerwehr gestellten Anforderungen gerecht zu werden, eine neuzeitliche Spritze anzuschaffen. Zu diesem Zwecke wurde bei der Provinzial=Feuer=Sozietät in Münster ein Antrag gestellt, um eine größere Beihülfe zu erhalten.
Die Stadtvertretung, an die wegen der Anschaffung der Spritze herangetreten war, stand dem Antrage sympathisch gegenüber und bestellte eine solche Spritze bei der Firma Höing in Köln. Auch wandte sich die Wehr an die in Brilon vertretenen Feuerversicherungsgesellschaften, um auch dort aus die nötigen Beihülfen zu erhalten.
Das Antragsgesuch war lohnend.
Die Provinzial=Feuersozietät Münster spendete 600,-Mk., die Feuerversicherung
„Colonia“ Köln 150,-Mk. und die “ Magdeburger Feuerversicherung “ 50,-Mk.

Das Interesse für die Feuerwehr war in der Stadt allgemein gut.
Das gleiche Interesse zeigten auch die Behörden in Provinz, Regierungsbezirk und Kreis, in dem die leitenden Persönlichkeiten von Zeit zu Zeit einen Bericht forderten über getroffene Maßnahmen resp. gesammelte Erfahrungen, besonders nach stattgehabten Bränden.
Unter anderem forderte der Herr Landrat Dr. Federath den Herrn Bürgermeister Schomberg wiederholt zu derartigen Berichten auf.
So verging die Zeit bis zum Jahre 1884 ohne nennenswerte Brände.

Turnverein und freiwillige Feuerwehr 1884
Wie wir hören, hat die städtische Verwaltung wieder mit mehr Sorgfalt ihr Augenmerk auf das Feuerlöschwesen gerichtet. Man kann dies nur mit der höchsten Befriedigung vernehmen, denn welchen Briloner Bürger pocht nicht das Herz, wenn er an die unzureichlichen Feuerlöscheinrichtungen denkt. Könnet man wohl einem größeren Brande bei den hier doch fast stets herrschenden starken Winden Einhalt tun? Ich glaube nicht, namentlich wenn man an die Zeit denkt, in der fast jedes Haus mit Erntevorräten angefüllt ist.
Indes würde sich auch die Behörde in ihren edlen Bestrebungen noch so viel Mühe geben, ohne kräftige Unterstützung der Einwohner würde sie dennoch wenig leisten können. Der Kern eines guten Feuerlöschwesens ist unstreitig eine aus jungen tatkräftigen Leuten gebildete freiwillige Feuerwehr.
In jeder Stadt, die auch nur eine einigermaßen aus¬gebildete Feuerwehr hat, finden wir einen Turn¬verein, aus dessen Mitgliedern auch zugleich die Feuerwehr gebildet ist und dessen Mitglieder auch die Feuerwehr gegründet haben. Man wird nicht bestreiten können, daß ein Feuerwehrmann, wenigstens die Rettungsmannschaft, turnen können müssen und deshalb halte ich es für die Hauptbedingung der Bildung einer Feuerwehr, die eines Turnvereins . . . . Deshalb erst ein Turnverein, dann eine freiwillige Feuerwehr.
Sauerländischer Anzeiger Brilon Nr. 30 vom B. März 1884.

In der genannten Zeit wechselte die Leitung der Wehr wiederholt. Da die vorher herrschende Einigkeit etwas locker geworden war und es an einer energischen Persönlichkeit fehlte, übernahm der damalige hier stationierte Bezirksfeldwebel Barufka die Leitung, um die Wehr wieder auf die Höhe zu bringen. Derselbe scharte eine Reihe junger Leute um sich, um mit diesen zunächst einen Turnverein zu bilden, der dann in die freiwillige Feuerwehr umgebildet wurde.

Barufka war in der Zeit von 1882 bis zu seiner Versetzung am 1.April 1885 Hauptmann der Wehr. Unter seiner Leitung erhielt die Wehr die Beile und die ersten Uniformen in Gestalt von weißen Drillichröcken und die übrigen notwendigen Ausrüstungsgegenstände und zwar zunächst für 12 Mann. Barufka aber ruhte nicht, und so gelang es ihm, auch für die übrigen Mitglieder die notwendigen Ausrüstungsgegenstände zu erhalten.
Die Gesamtkosten betrugen nach der damaligen Aufstellung 1997,25 Mk., die von der Stadt zu zwei Dritteln und der Sozietät zu einem Drittel übernommen wurden.
Von dieser Zeit an begann in der Wehr eine rege Tätigkeit, denn mit den erhaltenen Uniformen wuchs auch das Interesse wieder, da Hauptmann Barufka es verstand, die Wehrleute für die Feuerwehrsache zu interessieren.
Anders war es bei einem Theile der Bürgerschaft. Diese wollte von einer Feuerwehr nichts wissen, und es kam nach einem Brande am Marktplatze sogar zu Gewalttätigkeiten, wo durch rauflustige Burschen die Brandwache im Rathause tätlich angegriffen und erst durch
das Einschreiten des Herrn Bürgermeisters Schomberg die Burschen vertrieben wurden.
Barufka erhielt in einer Nacht durch einen Steinwurf vor die Stirn eine Wunde, an deren Folgen er bis zu seinem Tod zu leiden hatte.
Nach seinem Fortgange wählte die Wehr den Kaufmann Josef Glotten am15.April 1885 zu ihrem Führer, der die Wehr bis zu seinem Wegzuge nach Brilon -Wald am 15. August 1892 leitete. Glotten wurde in einer späteren Versammlung zum Ehrenmitglied der
Wehr ernannt.
Nach seinem Wegzuge wurde der Sattlermeister Herr Karl Reimann am 2. Dezember 1892 zum Hauptmann gewählt und zwar zunächst provisorisch für die laufende Wahlzeit des verzogenen Herrn Glotten.
Bei der am 21. Januar 1893 ablaufenden Wahlperiode wurde dann Herr K.Reimann definitiv als Leiter der Wehr gewählt.
Der nun mehr Gewählte blieb bis zum 19. August 1895 auf seinem Posten, trat dann aber wegen Krankheit zurück.
Die Wehr ließ es sich jedoch nicht nehmen, die Verdienste des Scheidenden anzuerkennen,
und wählte ihn zum Ehrenmitglied. Die Wehr war dann kurze Zeit ohne einen Chef und wurde durch den stellvertretenden Hauptmann geleitet.
23. August 1896 – Die Freiwillige Feuerwehr übernimmt einen auf Kosten der Stadt errichteten Steigerturm neben der Schützenhalle.
In einer darauf anberaumten Sitzung und zwar am 1. September 1896 wählte die Wehr nach einer längeren Beratung den Kreisassistenten Herrn Franz Struif einstimmig zum Hauptmann. Während der Wahlperiode des neuen Hauptmannes kriselte es öfters in der Wehr, da Struif ein strenges Regiment führte und alle diejenigen aus der Wehr ausgeschlossenwurden, die bei den angesetzten Übungen und Versammlungen des öfteren fehlten.
Durch die Nichtbefolgung der vorgeschriebenen Anordnungen waren die übrigen Mitglieder verstimmt, und es wurde wiederholt der Antrag gestellt, die Wehr aufzulösen, wenn es nicht bald anders würde.
Nachdem Herr Franz Struif die Wehr seit 1896 geleitet hatte, legte derselbe am 21. Februar 1901 seinen Posten nieder.
Die Wehr wählte sodann auf Vorschlag des Magistrats am 25.3.1901 den Amtskassenrendanten Brüggemann zum Feuerwehrhauptmann.
Derselbe hat die Wehr nur zwei Jahre geführt.
In der Generalversammlung am 1. März 1903 wurde Kamerad Stadtsekretär Fritz Hüser zum Hauptmann der Wehr gewählt. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Wehr immer mehr, so daß zwei Löschzüge gebildet werden konnten. Auch wurden unter seiner Leitung die durch die Allerhöchste Kabinettsordre vorgeschriebenen Achselstücke für die Mitglieder des Vorstandes und der Abteilungsführer angeschafft. Desgleichen erhielten die Vorstandsmitglieder bezw. die Abteilungsführer Beile.
So entwickelte sich die Wehr unter der umsichtigen Leitung des Hauptmanns Hüser immer mehr, der, nachdem sie in zwei Löschzüge eingeteilt war, den Titel Oberbrandmeister führte.
Der Wehr gehörten zu der Zeit 72 Mitglieder an.
Herr Oberbrandmeister Hüser legte am 16. Januar 1921 nach 18jähriger Tätigkeit
als Leiter der Wehr seinen Posten nieder.
An seine Stelle trat Herr Stadtbaumeister Josef Hellmold, der auch 1929 als die Festzeitschrift zum 50jährigen bestehen geschrieben wurde, Leiter der Wehr war.
Unter seiner Leitung entwickelte sich die Wehr weiter, und sie besteht 1926 aus 4 Löschzügen und zwar 3 in Brilon=Stadt und einem in Brilon=Wald.
Der Herr Oberpräsident hat auf Grund dieser Besichtigung mit Erlaß vom 16. Mai 1927 dem Oberbrandmeister Hellmold, nach Anhörung des Ausschusses des Westfälischen Feuerwehr=Verbandes, die Erlaubnis erteilt, zur Feuerwehruniform das in den Grundsätzen an die einzelnen Offiziersgrade der Feuerwehren der Provinz Westfalen unter Nr. 1 aufgeführte Achselstück zu tragen.
Außerdem erhielt Herr Hellmold die mit dem vorbezeichneten Achselstück verbundene Bezeichnung“Branddirektor“ als erster der Freiwilligen Feuerwehr Brilon.
Die Wehr besteht 1929 aus einem Ehrenmitglied und 173 aktiven Mitgliedern
einschließlich einer Altersabteilung.
Im Jahre 1938 schied dann Herr Branddirektor Hellmold infolge Erreichung der Altersgrenze aus dem aktiven Dienst aus. An seine Stelle trat der damalige Adjutant und spätere Wehrführer, Hauptbrandmeister Böddicker. Seiner Initiative ist es zu verdanken,
daß im gleichen Jahre noch ein neuer vollmotorisierter Einsatz- und Waldbrandwagen beschafft werden konnte.
Als im Jahre 1939 der zweite große Weltkrieg ausbrach, mußte eine große Zahl der aktiven Feuerwehrmänner zu den Waffen eilen, so auch Hauptbrandmeister Böddicker.
Mit der weiteren Führung der Wehr wurde der Brandmeister Theodor Wiegelmann betraut. Nach Kriegsende wurde Hauptbrandmeister Böddicker wieder sofort zum Wehrführer ernannt.
1964 erreichte Hauptbrandmeister Böddicker die Altersgrenze und schied aus dem aktiven Feuerwehrdienst aus.

Sein Nachfolger wurde nach manchen internen Schwierigkeiten Wassermeister Josef Frigger. Nach dessen Krankheit und frühem Tod 1965 übernahm Hauptbrandmeister Bernhard Schreckenberg am 21.09.1964 die Leitung der Wehr, der dieses Amt als stellvertretender Leiter der Wehr schon ab 1.August 1964 übernommen hatte. Nach dessen Wahl zum Kreisbrandmeister wurde sein Stellvertreter Hauptbrandmeister Josef Becker der Leiter der Wehr der dieses Amt bis 1989 inne hatte. Sein Schwager, der Hauptbrandmeister Hans-Josef Böddicker wurde 1989 Wehrführer der Feuerwehr der Stadt Brilon bis 1993. Am 06.11.2009 wurde der Leiter der Feuerwehr Brilon Brandoberinspektor Günther Piasecki aus dem aktiven Dienst der Feuerwehr verabschiedet. Dieses sieht die Laufbahnverordnung für das Erreichen des 60. Lebensjahres vor. In einer Feierstunde dankte Bürgermeister Franz Schrewe für 43 Jahre Feuerwehrdienst und 16 Jahre Wehrführer Tätigkeit. 1993 wurde Piasecki von den Kameraden der Feuerwehr bzw. dem Kreisbrandmeister zum ersten mal dem Rat der Stadt Brilon vorgeschlagen. Danach wurde er(alle 6 Jahre) noch zwei mal dem Rat vorgeschlagen.
Am 06.11.2009 übernahm der Brandoberinspektor Wolfgang Hillebrand aus Scharfenberg, der in Brilon im Feuerwehrhaus die Kreisschlauchpflege und die Kreisatemschutzgeräte pflegt den Posten des Wehrführers.